Mit sehr gemischten Gefühlen haben wir das Ergebnis der Abstimmung im Bauausschuss am 06.11.2025 aufgenommen. Bei aller Freude darüber, dass der Blumenpflückerpark in der Esmarchstraße erhalten bleibt und nicht durch eine zweite, überflüssige Fahrspur ersetzt wird, sehen wir im Abstimmungsverhalten ein Versagen der demokratischen Parteien.
Wir als Interessengemeinschaft Blumenpflücker haben seit über 1,5 Jahren zusammen mit vielen Unterstützer:innen aus dem Quartier, einer erfolgreichen Online-Petition, die auch überregional Unterstützung fand, und unermüdlichem ehrenamtlichen Engagement für den Erhalt des Blumenpflückerparks gekämpft und dabei immer wieder den Dialog mit SPD, CDU, Grünen, der Fraktion Die Linke/Die Partei und dem SSW gesucht, um sie von dem Wert unseres Parks zu überzeugen.
Mit der #NoAfD haben wir zu keinem Zeitpunkt gesprochen!
Durch die zahlenmäßige Pattsituation hätte damit gerechnet werden können, dass die Stimme der #NoAfD das Zünglein an der Waage sein würde. Das Ergebnis hätte sowohl zugunsten als auch gegen den Antrag der Grünen ausfallen können. Insofern sehen wir die Verantwortung auch bei SPD und CDU, nicht nur bei den Grünen. Genau so wie wir in den Wochen und Monaten vor der Abstimmung, hatten die Bauausschussmitglieder der Grünen, des SSW, der Fraktion Die Linke/Die Partei in der Debatte für den Klimaschutz, für einen sozialen Begegnungsort, für die Interessen der Anwohner:innen und gegen die Versiegelung von Grünflächen argumentiert; sie alle hatten im Vorfeld zur Sitzung des Bauausschusses mit Kompromissvorschlägen intensiv um die Unterstützung durch SPD und CDU gerungen, diese lehnten allerdings ab, da sie „keinen inhaltlichen Grund [sahen], von der ursprünglich beschlossenen Planung abzurücken“. – Also keinen Grund sahen, sich für bürgerschaftliches Engagement, gegen Flächenversiegelung und für Klimaschutz einzusetzen. Die Auszählung der Ja-Stimmen erfolgte als erstes, es wäre ein Leichtes gewesen, der #NoAfD durch eine Enthaltung die Position des „Züngleins an der Waage“ zu nehmen, da es am endgültigen Ergebnis nichts geändert hätte.
Die politische Skandalisierung, die SPD und CDU nun betreiben, ist in unseren Augen unfair und parteitaktisch motiviert, da auch diese beiden Parteien Verantwortung für die gestrige Abstimmung tragen und sich im Fall eines Votums der #NoAfD gegen den Blumenpflückerpark den gleichen Vorwurf hätten gefallen lassen müssen. Zudem finden wir es unerträglich, dass auf dem Rücken der IG Blumenpflücker, ihrer Unterstützer:innen und der ganzen Nachbarschaft nun eine politische Schlammschlacht ausgetragen werden soll. Wenn sich die Parteien der Mitte zerfleischen, triumphiert am Ende nur der rechte Rand. Diesbezüglich wünschen wir uns von ALLEN demokratischen Parteien, auch auf kommunaler Ebene, eine faire Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft, um deutlich klare Kante gegen Rechts zu beziehen. Wir sind entrüstet, dass unser monatelanger Kampf für einen wunderschönen kleinen Park nun mit solch einem Fehlverhalten demokratischer Parteien assoziiert werden muss. Bürgerliches und ehrenamtliches Engagement werden auf diese Art und Weise in den Dreck gezogen und für den Wahlkampf instrumentalisiert.
Wir sagen sehr deutlich: Wir sind Kieler Bürger:innen, Anwohner:innen und Nachbar:innen, die ein klimagerechtes, antifaschistisches, demokratisches und soziales Weltbild vereint. Der Blumenpflückerpark ist ein Ort, an dem einst Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges ein Zuhause fanden, er steht für uns für Gemeinschaft, Zusammenhalt, Vielfalt und Solidarität. Der Erhalt und die Aufwertung des Blumenpflückerparks dienen dem Klimaschutz und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels – diese Ziele müssten Anliegen ALLER demokratischen Parteien sein!
Interessengemeinschaft Blumenpflücker